Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Allgemeines zum Thema Erdgasfahrzeuge was nicht in die anderen Rubriken passt.

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einherzfuerCNG
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von einherzfuerCNG » 06.12.2018 14:20

Robert hat geschrieben:
05.12.2018 08:17
Natürlich ist es Planwirtschaft, wenn nicht konkurrenzfähige Produkte in der Art und Weise gepushed werden.
Denn außer "noch massiver subventionieren" steht da nichts.

P.S.: Willst du nicht noch erzählen, dass das vielleicht auch noch "Hass und Hetze" entspricht? Ist doch in diesen Tagen total angesagt jede nicht konforme Meinung mit diesen Schlagworten wegzubügeln.
Na dann ist nach deiner Definition die Einführung der Elektromobilität ja wohl auch maximal mögliche PLANWIRTSCHAFT. Die Subventionierung der Dieselfahrzeuge war es dann vor 15-20 Jahren wohl auch ... und die Kohlesubventionen und die für die Landwirtschaft ... vermutlich hat uns die Wiedervereinigung in Wirklichkeit zur neuen, größeren DDR gemacht, statt zu einer größeren Bundesrepublik ... das ist nicht "Hass und Hetze" , sondern eher Verschwörungstheorie im Anfangsstadium. :prost:
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Robert
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Robert » 06.12.2018 14:47

DerShaker hat geschrieben:
06.12.2018 12:55
Aus meiner Sicht kompletter Unsinn, mit Milliardenbeträgen E-Fahrzeug und Infrastruktur zu fördern und eine sofort verfügbare, auch langfristig sinnvolle Alternative mit Kleckerbeträgen zu "subventionieren". Vermutlich gibt es 100 sinnfreie Subventionen, die in BRD mehr Kosten als das.
Erdgas ist an sich schon ganz ordentlich subventioniert. Kleckerbeträge sind es nur deshalb, weil es so wenig genutzt wird. Würde hier ein Durchbruch kommen, wäre das auch mit den heutigen Subventionen bereits ein Milliardengrab. Kommen aber noch welche On-Top um diesen Durchbruch herbei zu führen, kann man erst recht nicht mehr von Kleckerbeträgen sprechen.
DerShaker hat geschrieben:
06.12.2018 12:55
Da es keinen Tag gab oder gibt, an dem BRD-Weit 100% EE zur Verfügung stand oder demnächst stehen wird, wird auch jeder zusätzliche Verbraucher - egal
ob Wärmepumpe, WLAN-Router, oder E-Auto aus 100% fossilen Kraftstoff aus regelbaren Kraftwerken betrieben werden.
Nur so nebenbei: Für die Vergangenheit ist das richtig, für die Zukunft sicher nicht. Anfang des Jahres (1.1.) waren wir um die Mittagszeit bei knappen 90% EE. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die erste Stunde und der erste Tag kommen werden, wo die EE-Erzeugung die Nachfrage übersteigt. Und diese Zeitpunkte werden nicht furchtbar weit in der Zukunft liegen, das ist absehbar.
einherzfuerCNG hat geschrieben:
06.12.2018 14:20
Na dann ist nach deiner Definition die Einführung der Elektromobilität ja wohl auch maximal mögliche PLANWIRTSCHAFT.
Planwirtschaft ist nun mal eine Wirtschaftsform, wo der Staat extrem viel Lenkungseffekte vor gibt. Von daher kann man das Kind auch Lenkungseffekt nennen, das kommt faktisch auf das gleiche raus.

Aber ansonsten liegst du natürlich komplett daneben, dass jede Lenkung gleichbedeutend mit maximaler Lenkung bzw. Planwirtschaft ist. Aber es ist natürlich ein Schritt in diese Richtung, so auch bei der E-Mobilität.
Aber ich habe ja auch nur die Frage gestellt, wie viel staatliche Lenkung man tatsächlich möchte? Oder ob es nicht doch besser ist den Markt entscheiden zu lassen.

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Gulbenkian
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Gulbenkian » 06.12.2018 22:10

DerShaker hat geschrieben:
06.12.2018 12:55
Weil EE-Strom heute schon Vorfahrt hat und die übrigen Energieträger "Nur" den fehlenden Rest bis zur Bedarfsmenge decken dürfen.
Wenn das Gas mit dem Du fährst, sauberer ist als mein Strom, dann verstrome ich es und fahr mit dem Strom. Ist lokal emissionsfrei und von der CO2 Bilanz her vermutlich etwas besser als das Gas im Motor zu verbrennen. Es gibt sicher Anwendungsfälle, wo Verbrenner Vorteile haben, drum haben wir auch noch welche. Ich kann mir aber gut ein E-Auto mit 300-400km Reichweite und Schnelllader vorstellen. in gespannt wie sich das weiter entwickelt.
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Robert
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Robert » 06.12.2018 23:30

Gulbenkian hat geschrieben:
06.12.2018 22:10
Ich kann mir aber gut ein E-Auto mit 300-400km Reichweite und Schnelllader vorstellen. in gespannt wie sich das weiter entwickelt.
Am Ende ist es vor allem eine Kostenfrage. Große Akkus kann man ja bauen ... nur bislang nicht günstig. Und der Autofahrer will eben ein 99% Auto und kein 80% Auto.
Und bei der Kostenfrage sehe ich die größten Hindernisse. Auch wenn die E-Jünger gerne Skaleneffekte ins Spiel bringen, so gelten die meiner Meinung an der Stelle nicht bzw. sogar im Gegenteil. Skaleneffekte ziehen immer dann, wenn die Entwicklung und Produktion teuer ist, sind es aber die Rohstoffe, wie beim Akku, dann sieht es genau umgedreht aus. Das sieht man auch z.B. am Lithiumpreis über das letzte Jahrzehnt. Der ist massiv rauf. Dagegen wirkt tatsächlich eine Entwicklung, dass Akkus immer weniger davon brauchen.

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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Bassmann » 07.12.2018 00:42

Robert hat geschrieben:
06.12.2018 14:47
Aber ich habe ja auch nur die Frage gestellt, wie viel staatliche Lenkung man tatsächlich möchte? Oder ob es nicht doch besser ist den Markt entscheiden zu lassen.
Warum sollte man einen Markt entscheiden lassen, der zu 3,0L-TDI-SUV-Fahrzeugen tendiert, statt zu Fahrzeugen, die in die Generation up/citigo/mii gehören oder Polo und Modellgeschwister?

Wenn es darum geht, einer Fehlentwicklung entgegen zu treten, dann doch bitte gerne mit gesetzlichen Regelungen? Wo ist da das Problem?

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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Robert » 07.12.2018 01:08

Bassmann hat geschrieben:
07.12.2018 00:42
Warum sollte man einen Markt entscheiden lassen, der zu 3,0L-TDI-SUV-Fahrzeugen tendiert, statt zu Fahrzeugen, die in die Generation up/citigo/mii gehören oder Polo und Modellgeschwister?
Wir leben zum Glück in einer Demokratie, wo die Mehrheit darüber entscheidet, wo die Grenzen liegen. Und ich habe nur die Frage aufgeworfen, wo denn die Grenzen liegen sollten.
Eine Gesellschaft wie wir sie leben, schätzt Bestandteile wie Verantwortungsbewusstsein, aber auch Freiheit. Wir leben Kompromisse.
Dabei ist der Ansatz, der allgemein üblich seitens des Staates ist, nämlich Ziele vorschreiben und nicht Technologien, wesentlich effizienter aus meiner Sicht, als einzelne Technologien zu bevorzugen. Beim Erdgas und bei der E-Mobilität werden Technologien bevorzugt und das geht in die Richtung Planwirtschaft, erstaunlicher Weise lehnst du und viele andere hier das bei der E-Mobilität extrem ab, bei der Erdgasmobilität wird es aber aktiv eingefordert ... das passt nicht zusammen.

Ich hingegen sage, der Staat sollte nur Ziele verfolgen. Wenig Schadstoffe, wenig Klimagase ... das sind die Ziele. Wie diese erreicht werden ... ist für die Gesellschaft doch egal. Sprich CO2 und Schadstoffe zu besteuern wäre aus umweltsicht exakt gerecht.

Dabei würde ich als Fazit übrigens sagen, dass wir bei diesen Zielen nicht weit vom Optimum entfernt sind. Der Deutsche neigt da aber leider etwas zur Überperfektion, wodurch wir leider sehr schnell in einer überbordenden Bürokratie drin sind.

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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von DerShaker » 07.12.2018 08:46

@Robert

Also ehrlich - Du kleiner Schelm :mrgreen:

der 1.1. war ein Feiertag an dem vermutlich bis auf wenige Ausnahmen keine Stromabnahme durch Großverbraucher vorhanden war.
War der Tag sonnig? oder sehr windig? Bin zu faul zum Suchen.
Solche Situationen sind reine Zufallsprodukte - eine Kombination von geringem Bedarf und evtl. zufällig gutem Wetter oder Starkwind.
Hieraus abzuleiten, dass wir demnächst statt an 1 Tag mal 5 oder 10 Tage im Jahr die 100% EE schaffen, ist gewagt.
Daraus abzuleiten dass wir in absehbarer Zeit an vielen Tagen EE !Bedarfsorientiert! auf über 100% bringen, sehr unwahrscheinlich.
Um es höflich zu formulieren.

Und nochmals eine Frage:
wenn die AKW's vom Netz sind, fehlt die Strommenge zunächst. kann durch diverse Maßnahmen wohl ausgeglichen werden - aber einen absehbaren
Mehrbedarf zusätzlich abdecken zu können und gleichzeit Grundlast-Lieferungen in maßgeblicher Menge auch durch EE abzufangen - Mmmmh.

Zu den Kleckerbeträgen:
wenn sich ein Produkt am Markt durchsetzt, ist keine Subvention notwendig. Natürlich muss und soll so etwas dann wieder abgeschmolzen oder abgeschafft werden.
Es geht um einen Anschub (der bei CNG schon 15 Jahre dauert :confused: )
Nicht um dauerhafte Alimentierung ala Diesel-Subvention.

@Gulbenkian
Leider muss der Strom Bedarfsgesteuert in der Sekunde ins Netz, in dem Du die 350KW-Lader an das Fahrzeug dranhängst.
Und auch dorthin geleitet werden vom Erzeuger. Und auch für das Auto, dass parallel neben dir gerade laden will.

Dieser Invest wird die lausigen Beträge für den Aufbau von ein paar Ladesäulen bei Weitem (!!) übersteigen. Das sagt nur keiner.
und dieser u.U. sprunghafte lokale Mehrbedarf soll durch nicht regelbare EE gedeckt werden. Gewagt.

Das Gas ist speicherbar in sehr großen Maßstab - heute. Die Infrastruktur abbezahlt und Deutschlandweit heute und sofort verfügbar. Flächendeckend.

Du kannst sogar EE-Überschuss vom Sommer - sollte er jemals nennenswert und dauerhaft vorhanden sein - als Methan im bestehenden Speichernetz bunkern und im Winter verbrauchen. Das geht mit elektrischer Energie in Form von Strom leider nicht. Bzw. zu Kosten, die jeder Beschreibung spotten.
Sonst hätten ja viele PV-Anlagenbesitzer nicht nur Kleinspeicher im Keller, sondern Saisonspeicher mit mehreren hundert kW/h Kapa.
Das gibt's aber nicht.

Nochmals - ich sehe E-Autos als wahrscheinlich größte Säule der Mobilität in der Zukunft. Aber das was Du schreibst ist mir zu kurz gedacht.
Da bleibt für mich auch Platz für Methanfahrzeuge - selbst wenn das später nur 10 oder 20 Prozent sind. Das kann was werden.

Gruß
Shaker
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Holly. » 07.12.2018 12:38

Wir leben zum Glück in einer Demokratie, wo die Mehrheit darüber entscheidet, wo die Grenzen liegen
Robert, was glaubst du denn wenn man in Deutschland über die Todesstrafe abstimmen lässt was dabei herauskommt?

ich sehe das auch schon so das mit gewisser Lenkungswirkung gearbeitet werden muss damit Ziele erreicht werden können.
Die Förderung von E-Autos ist richtig, mir ist das aber zu einseitig. für mich ist der Erdgasmotor gleichwertig gut wenn man Bio-Gas tankt. deswegen würde ich mir wünschen das diese Technologie die selbe Förderung erhält wie E- Autos.

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Gulbenkian
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Gulbenkian » 07.12.2018 20:32

Holly. hat geschrieben:
07.12.2018 12:38
Robert, was glaubst du denn wenn man in Deutschland über die Todesstrafe abstimmen lässt was dabei herauskommt?
Nichts, denn mit einem Volksentscheid kann Art. 102 GG nicht außer Kraft setzen. Und unsere Legislative kann sich ja nichtmal beim Digitalpakt verständingen.
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Bassmann » 07.12.2018 23:35

@Gulbenkian:
Dennoch wird bei einer simplen Umfrage eine erschreckend hohe Zahl von Stimmen pro-Rübe-ab antworten.
Diese Zeitgenossen sind wir leider noch immer nicht los geworden.

MfG Bassmann
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Lippstaedter
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Lippstaedter » 08.12.2018 12:40

Wir sind doch eigentlich alle einer Meinung.
Wir wollen alle klimafreundlich(er) unterwegs sein. Das geht am besten zu Fuß und mit dem Rad (wenn möglich ohne Strom). Danach - wenn sie nicht quasi leer fahren - mit Bussen oder Bahnen.
Manche von uns brauchen (und wollen) aber noch ein Auto.
So, und da gibt es momentan zwei relativ saubere Antriebssysteme: Elektro UND CNG.
Dann lasst sie uns doch auch beide gleichberechtigt "fördern". Und zwar nicht nur mit Geld sondern auch mit Wissen (bei Elektro glaubt jeder mitreden zu können, bei CNG haben immer noch viel zu viele Leute keine Ahnung, sorry, ein Informationsdefizit). Und dieses "Fördern" kann jeder von uns tun. Natürlich am besten in dem er oder sie - wenn's ein Auto sein muss - ein Elektro- oder CNG-Fahrzeug und keinen Diesel oder Benziner fährt. Oder zumindest hilft dazu beizutragen, dass Mann/Frau über BEIDE Möglichkeiten - CNG hat's da leider immer noch mehr nötig - Bescheid weiß.
Lasst uns Elektro nicht schlecht reden, aber CNG bitte auch nicht. Wir brauchen sie nämlich BEIDE.
Übrigens gibt's in der Schweiz zwei nagelneue Ökotankstellen: Strom und CNG vereint nebeneinander.
SO stelle ich mir das auch in Deutschland vor!
:work:

Robert
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Robert » 08.12.2018 13:27

DerShaker hat geschrieben:
07.12.2018 08:46
War der Tag sonnig? oder sehr windig? Bin zu faul zum Suchen.
Solche Situationen sind reine Zufallsprodukte - eine Kombination von geringem Bedarf und evtl. zufällig gutem Wetter oder Starkwind.
Hieraus abzuleiten, dass wir demnächst statt an 1 Tag mal 5 oder 10 Tage im Jahr die 100% EE schaffen, ist gewagt.
Natürlich wird der Tag mit dem prozentual meisten EE-Strom immer einer sein, der eine entsprechende Kombination aus viel Sonne, viel Wind und geringer Nachfrage mit sich bringt. Das liegt in der Natur der Sache, da brauchst du nicht suchen und so war es natürlich auch am 1.1..
Und klar ist ein gewisser Zufall dabei, darum kann ich dir nicht und auch niemand anders exakt vorhersagen, wann das erste mal die 100% Marke erreicht wird, aber mit weiterm Ausbau der EE´s wird das passieren. Und diese Ausage ist nicht gewagt. Das ist wie mit dem Lotto-Jackpot. Niemand kann sagen, dass dieser nächsten Samstag geknackt werden wird, aber die Aussage, dass er demnächst geknackt wird, die wird wohl zutreffen ;).

Ansonsten wird eine höhere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen nur mit etlichen Maßnahmen zu erreichen sein, den einen Königsweg wird es nicht geben. Die Methanisierung von EE-Strom wird genauso dazu gehören, wie E-Autos produktionsgerecht zu laden (also nur dann, wenn die EE´s auch liefern). Das ist auch alles technisch machbar, es wird aber eine extrem teure Nummer werden, wo jeder weitere vermiedene Prozentpunkt an fossilen Energien immer teurer wird.

Zu den Subventionen ist meine persönliche Meinung: Ja, als Anschub kann man das durchaus tun, aber nur als Anschub. Im Automobilbereich reden wir da von Jahren, aber eben nicht von Jahrzehnten. Sowohl bei CNG wie auch bei Elektro zeigt sich aber, das reicht nicht. Sie haben es nicht innerhalb von Jahren geschafft konkurrenzfähig zu werden und ob sie es jemals schaffen ... fraglich. Da bleibt also nur dauerhaft zu subventionieren oder sich davon zu verabschieden.
Übrigens ist CNG selbst nach der Abschaffung des ermäßigten Steuersatzes in 2026 im Regelsteuersatz deutlich geringer besteuert als Benzin oder Diesel. Gegenüber Diesel ist CNG also sogar doppelt subventioniert, nach 2026 (nach jetzigem Stand) dann nur noch einfach. Darum rate ich hier zur Vorsicht, das Argument gegen den Diesel anzuführen, denn CNG ist da noch viel "schlimmer".

DerShaker
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von DerShaker » 10.12.2018 11:09

Hallo Robert,

das mit der Kraftstoff-Subventionierung war mir tatsächlich bis vor ein paar Monaten nicht voll bewusst.
Ich sprach rein grundsätzlich davon, dass ein Produkt mit >30% Marktanteil - in manchen Fahrzeugklassen >80% - keinerlei Subvention erfahren muss.
Da ist bei CNG mit kaum messbaren Verkäufen noch viel Platz nach oben.
Aber - für mich gilt auch hier - sollten jemals Stückzahlen im Millionenbereich fahren - warum noch subventionieren?
Egal ob Diesel oder CNG.

zum Strom:
ich lese aus Deiner Antwort, dass wir soo weit nicht auseinander liegen.
Ja, es wird ein Tag kommen, wo punktuell die 100% EE erreicht werden - sicher nicht erst in 20 Jahren. Punkt für Dich ;-)

Ist das für mich erstrebenswert - Nein! :0:

ich habe nun doch gesucht und die Seite energy-charts gefunden.

Solange es Tage gibt mit nur unter 15% Erneuerbaren- wie am 15.01. (nur 2 Wochen nach dem "guten" Tag) - heißt das nichts anderes als teure Doppelstrukturen aufzubauen.

Am Guten Tag fliegen die Kraftwerke aus dem Markt, die man 2 Wochen später wieder händeringend braucht.

Das ist für mich nicht praktikabel und auch gar nicht sinnvoll.
Warum sollte ich weiterhin EE in enormen Milliardenbeträgen pro Jahr fördern, wenn die auch 18 Jahre nach Start des EE-Gesetztes nicht zur sicheren Stromversorgung beitragen können. Dieses Jahr ist über die EEG-Umlage schon ein Betrag von 23 Milliarden umgelegt worden. In Summe kann das nach 20 Jahren EEG eine halbe Billion sein.
und in 2018 gibt es zig Tage mit unter einem Drittel Bedarfsdeckung aus EE. Schwach.

Parallel ist Kohle böse und soll weg (die ist auch dreckig)
parallel ist Atom böse (ist auch shice)
Wir wollen die regelbaren (Grundlast)-Erzeuger abschaffen, durch Zufallserzeuger ersetzen und parallel den Stromverbrauch noch hochschrauben.

ich muss kein Energiemarkt-Vollprofi sein um zu sehen - das geht schief.
Im Schnitt lagen wir bei um die 40% EE-Strom im Netz - wie teuer und herausfordernd es wohl werden wird, die nächsten 40% zu schaffen - wo dann auch endlich die Speicherung im richtig großen Maßstab mit dazugehört und eine simple Vorfahrtsregel nicht mehr reicht - bin ich gespannt.

Ich halte es für richtig, dass wir vom fossilen und atomaren Strom weg kommen. Das Ziel find ich gut.
Das hat aber nichts damit zu tun, dass die E-Fahrzeuge von heute, von 2020 und auch 2030 bei ganz genauer Betrachtung ausschließlich mit fossilem Gas- oder Kohlestrom bewegt werden. Weil nur diese regelbaren Kraftwerke den Zusatzbedarf decken werden. Ausnahme werden dann die vermutlich relativ wenigen Tage oder Wochen sein, an denen die EE tatsächlich den gesamten Bedarf decken.

Alles war mich schon zufriedenstellen würde, wäre eine differenzierte Betrachtung und die Erkenntnis, dass es mehrere Wege und Lösungen geben könnte, die unsere Mobilität von morgen sicherstellen. nicht nur das Akku-Auto.


Gruß
Shaker
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Robert
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von Robert » 10.12.2018 12:35

DerShaker hat geschrieben:
10.12.2018 11:09
Aber - für mich gilt auch hier - sollten jemals Stückzahlen im Millionenbereich fahren - warum noch subventionieren?
Da bin ich durchaus bei dir, ich würde Benzin und Diesel steuerlich gleich stellen, natürlich aber umfassend, also nicht nur bei der Energiesteuer, sondern auch bei der KFZ-Steuer. Einen großen Unterschied würde das aber nicht bedeuten, dessen muss man sich bewusst sein.
Davon abgesehen tue ich mich generell immer mit dem Subventionsbegriff schwer, welcher auf ein unglaublich hoch besteuertes Produkt abgewendet wird (auch wenn mir klar ist, dass die Definition das zulässt).

Zum Strom:
Natürlich kosten die EE´s unglaublich viel Geld, tragen null zur Versorgungssicherheit bei (eher im Gegenteil), aber eines tun sie tatsächlich, CO2 einsparen. Diese knapp 40% wurden vor 20 Jahren noch weitgehend fossil erzeugt. Das hat man tatsächlich ersetzt.
Dass man gleichzeitig das Atom für böse erklärt hat, ist ein anderer Vorgang, welcher aber natürlich ein echter Knieschuss bzgl. der CO2 Frage war und ist.
Ich persönlich fand den Ansatz der damaligen schwarz-gelben Regierung richtig gut die Atomkraftwerke länger laufen zu lassen, die Gewinne daraus weitgehend abzuschöpfen und damit den Umbau zu EE´s zu finanzieren. Mir ist aber klar, dass große Teile der Gesellschaft das ablehnten und sofort den Ausstieg wollten, auch wenn das enorme gesellschaftliche Kosten inkl. Rekordzahlen an Stromsperrungen bedeutet und eben auch zu Lasten des Klimas geht.

Ansonsten liegen wir ja aber gar nicht wirklich auseinander. Weniger CO2 wird halt extrem teuer, egal welche Wege man beschreitet.

supercruise
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Re: Zeitungsartikel: Erdgas-Autos: Eine Frage der Überzeugung

Beitrag von supercruise » 10.12.2018 13:24

Kernenergie bleibt ein Risiko, mit unkalkulierbaren Folgen. Ja, Deutschland hat die höchsten Standards der Welt und dennoch kann man nicht zu 100% auschließen, das es zu einem Vorfall kommt. Das kann man auch bei anderen Formen der Stromerzeugung nicht, doch bei keiner anderen Art von Stromerzeugung sind die Folgen im Falle eines Vorfalls so verheerend.

Radioaktive Strahlung in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland wäre eine Katastrophe. Nicht nur für die Mensch und Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft. Es könnte eine Weltwirtschaftskrise auslösen, wenn Deutschland und damit Europa ins Wanken gerät. Und niemand ist bereit ein Endlager bei sich zu haben, was man ja auch verstehen kann.

Deutschland könnte bereits jetzt aus der Kohleverstromung aussteigen, die Gaskraftwerke können die Kapazitäten schon heute ersetzen.
Einen großen Unterschied würde das aber nicht bedeuten, dessen muss man sich bewusst sein.
Nun ja, wenn man den Dieselkraftstoff genauso hoch wie Benzin besteuern würde, hätte man zwei positive Effekte.

1. Der Staat hätte jährlich 7 Milliarden € mehr Einnahmen, die man in einen Fond einzahlen könnte.
Zum Beispiel für den Aufbau der Lade- und Tankinfrastruktur für alternative Antriebe.
Elektro-Schnellladesäulen, CNG/LNG- und H2-Tankstellen. Wenn man das nur 5 Jahre lang machen würde, wäre das Netz für ALLE alternativen Antriebe flächendeckend vorhanden, lückenlos!
Wenn dem Staat die Infrastruktur gehören würde, würde er auch den Steuerausfall von Benzin- und Diesel entgegenwirken können.

2. Die Automobilindustrie wäre gezwungen, noch mehr in die Entwicklung von Otto-Motoren (beinhaltet auch CNG/LNG) zu investieren. Der Entschluss würde also für mehr Wettbewerb sorgen und somit die Wirtschaft schützen!

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