Bio-CNG

Allgemeines zum Thema Erdgasfahrzeuge was nicht in die anderen Rubriken passt.

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bljack
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Re: Bio-CNG

Beitrag von bljack » 24.06.2019 09:38

Tobi82x hat geschrieben:
23.06.2019 10:07
[...]
Global betrachtet ist es eigentlich egal, wo die CO2-Vermeidung stattfindet. Das geht leider nicht in die Köpfe vieler Deutscher. Klar wird mit dem Grünwaschen vielleicht auch viele undurchsichtige Geschäfte betrieben, aber vom Ansatz her passt es. Wenn es nun einmal günstiger ist, in Afrika Bäume zu Pflanzen oder durch ne PV-Anlage den Dieselgenerator abzuschaffen, dann ist es eben so und bringt und genau so global voran in der CO2-Einsparung.
Da bin ich ja voll bei Dir - nur muss dazu auch global was ausgebaut werden und nicht nur schon vorhandenes einfach teurer an einzelne Kunden weitergegeben werden (wie es ja derzeit in großem Stil beim Strom passiert).

Biogas tanken macht für mich nur dann Sinn, wenn ich damit wirklich den Ausbau der Biogaserzeugung (natürlich bevorzugt aus Gülle und Reststoffen, nicht aus Monokulturen) unterstützen würde und mir nicht einfach nur bereits vorhandenes "Biogas" (ggf. noch via Zertifikat aus Island o.ä., s. Strom) verkauft wird. Wobei natürlich auch dadurch die Nachfrage steigt und wir irgendwann an einen Punkt kommen, an dem zwangsläufig ausgebaut werden muss, da die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr reichen.
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Robert
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Re: Bio-CNG

Beitrag von Robert » 24.06.2019 11:06

bljack hat geschrieben:
24.06.2019 09:38
Biogas tanken macht für mich nur dann Sinn, wenn ich damit wirklich den Ausbau der Biogaserzeugung (natürlich bevorzugt aus Gülle und Reststoffen, nicht aus Monokulturen) unterstützen würde und mir nicht einfach nur bereits vorhandenes "Biogas" (ggf. noch via Zertifikat aus Island o.ä., s. Strom) verkauft wird. Wobei natürlich auch dadurch die Nachfrage steigt und wir irgendwann an einen Punkt kommen, an dem zwangsläufig ausgebaut werden muss, da die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr reichen.
Richtig, genau das ist hier das Problem. Es besteht leider nicht die Abhängigkeit, dass wenn ich heute 10kg Bio-Gas tanke, anstatt 10kg fossilem Gas, dass auf Produzentenseite auch 10kg mehr Biogas produziert wird und ins Erdgasnetz eingespeist werden.
Es ist eben nicht so, wie wenn ich heute im Supermarkt 10 Bio-Eier kaufe, anstatt 10 Legebatterie-Eier. Da ist die Abhängigkeit klar vorhanden, da existiert eine entsprechende Rückwirkung auf die Produktion. Aber genau deshalb muss ich für die Bio-Eier auch mehr bezahlen.
Und richtig, würden wir an den Punkt kommen, wo die Nachfrage die Produktion übersteigt, dann würde das alles anders aussehen (ich glaube nicht, dass der Punkt jemals erreicht wird). Dann würde ich sich aber auch eine preisliche Entkopplung zwischen den Gasarten einstellen ... wie bei den Eiern halt.

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bljack
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Re: Bio-CNG

Beitrag von bljack » 24.06.2019 12:23

Dann nehme ich für mich jetzt mal mit: BIO-CNG (auch anteilig) tanken schadet zumindest nicht - ob es was nützt? Aktuell vermutlich noch nicht; laut FNR hatten wir 2017 einen Verbrauch von 177.000t CNG und 28.000t Biomethan (Seite 28); damit wäre der Verkehr bei ca. 16% Bio-Anteil für CNG bzw. einem Verbrauch von 380GWh Biomethan (s. auch Seite 34). Demgegenüber auf Seite 43 (Achtung: Zahlen sind von 2015): Biomethan wird nur zu 4,3% als Kraftstoff verkauft - der größte Anteil der über 9.000GWh geht in KWK-Anlagen. Da könnte ich leicht von dort etwas Richtung Kraftstoff "umschichten" und die "grünen" KWK-Anteile mit einem Zertifikat aus Norwegen ausgleichen.

Wie beim Strom scheint mir das auch hier doch etwas undurchsichtig.

Vermutlich eine der wenigen Bio-CNG-Tankstellen, die wirklich zu einer Erhöhung des Bio-Anteils beitragen dürfte, könnte u.a. der Energiehof Weitenau sein, da dort halt wirklich "direkt" von der Biogasanlage in das Auto getankt wird (allerdings halt auch für 1,22€/kg - aber vermutlich kostendeckend).
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Re: Bio-CNG

Beitrag von Robert » 24.06.2019 13:37

bljack hat geschrieben:
24.06.2019 12:23
Vermutlich eine der wenigen Bio-CNG-Tankstellen, die wirklich zu einer Erhöhung des Bio-Anteils beitragen dürfte, könnte u.a. der Energiehof Weitenau sein, da dort halt wirklich "direkt" von der Biogasanlage in das Auto getankt wird (allerdings halt auch für 1,22€/kg - aber vermutlich kostendeckend).
Selbst da ist es die Frage. Ich kann auf der Website dazu nichts finden, aber ich vermute mal, dass die das Biogas nicht nur über die Tankstelle vermarkten, sondern auch auf anderem Weg (denn die Tankstelle gibt es erst seit 2015, die Biogasanlage seit 2004). Wenn das Biogas jetzt nicht finanziell direkt gekoppelt ist, produzieren die halt das was ihre Anlage her gibt. Das was an der Tankstelle weg geht, geht dort weg, der Rest wird entsprechend anders verwertet. Und unter dem Strich ohne weitere Förderungen wird das nicht kostendeckend sein. Eine kWh Biogas liegt in der Herstellung bei 6-9 Cent. Das man also freundlichst gerechnet 84 Cent/kg in der Herstellung. Dazu 20 Cent Energiesteuer und auf alles noch 19% MwSt. Da bist du bereits bei ca. 1,22€/kg. Da ist aber noch keine Aufbereitung und keine Tankstelle von bezahlt ... und wie gesagt, Kosten der günstigsten Anlagen gerechnet.

Unter dem Strich ist "direkt" oder "bilanziell" bzgl. des Rohstoffs auch nicht der ausschlaggebende Faktor, sondern es ist die Frage, ob eine Nachfrage direkt gekoppelt ist an die Produktion. Als Beispiel: Ein Audi e-Gas Kunde verfeuert ja auch nicht die Methanmoleküle, die die E-Gasanlage produziert (ist also bilanziell), aber mit seiner Unterschrift unter den Vertrag nimmt er direkten Einfluss, wie viel die Anlage einzuspeisen hat. Und das ist die entscheidende Kopplung.

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Re: Bio-CNG

Beitrag von bljack » 25.06.2019 06:02

Robert hat geschrieben:
24.06.2019 13:37
Unter dem Strich ist "direkt" oder "bilanziell" bzgl. des Rohstoffs auch nicht der ausschlaggebende Faktor, sondern es ist die Frage, ob eine Nachfrage direkt gekoppelt ist an die Produktion. Als Beispiel: Ein Audi e-Gas Kunde verfeuert ja auch nicht die Methanmoleküle, die die E-Gasanlage produziert (ist also bilanziell), aber mit seiner Unterschrift unter den Vertrag nimmt er direkten Einfluss, wie viel die Anlage einzuspeisen hat. Und das ist die entscheidende Kopplung.
Stimmt, da hatte ich einen Denkfehler bzw. zu kurz gedacht.

Bzgl. Kostendeckung hätte ich bei dem Hoffest vor zwei Jahren oder so mal nachfragen können - nicht dran gedacht :-(
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